1038 Wohntraumstudie 2019

– Umkämpfter Markt, spannende, aber zum Teil aufreibende Suche

– Jeder zehnte Deutsche will zeitnah ein Haus oder eine Wohnung erwerben

– 66 Prozent der Mieter wünschen sich Wohneigentum, 38 Prozent haben aber nicht die finanziellen Mittel

– Studie untersucht erstmals detailliert Entscheidungsprozesse

Die Interhyp AG, Deutschlands größter Vermittler privater Baufinanzierungen, hat mit der Wohntraumstudie 2019 erneut eine umfangreiche Erhebung zur Wohnsituation und den Immobilienträumen der Deutschen vorgelegt. Ein zentrales Ergebnis: Ein schönes Zuhause gehört neben der Gesundheit zu den wichtigsten Dingen im Leben der Deutschen. Allerdings hat die Zahl derer, die sich Wohneigentum wünschen, im Vergleich zum Vorjahr abgenommen. Während 2018 noch 76 Prozent der Mieter sagten, sie wünschen sich Eigentum, sind es 2019 nur noch 66 Prozent. „Die Realitäten am Immobilienmarkt verunsichern einige Immobilieninteressenten. Dennoch ist der Wunsch nach Wohneigentum nach wie vor sehr groß“, erklärt Mirjam Mohr, Vorständin der Interhyp AG. Jeder zehnte Deutsche plant aktuell einen Immobilienkauf. Was die Immobilieninteressenten antreibt und wie sie die Marktlage empfinden, hat Interhyp in einer großen repräsentativen Befragung von 2.600 Deutschen untersucht. Erstmals durchleuchtet die seit 2011 durchgeführte Studie in diesem Jahr auch detailliert den Entscheidungsprozess bei der Immobiliensuche.

Jeder Vierte entscheidet aus dem Bauch heraus

Wie die aktuelle Befragung zeigt, ist das Zuhause für viele Deutsche ein ebenso emotionales wie hochaktuelles Thema. „Individuelle Faktoren wie der Wunsch nach Sicherheit, Zufriedenheit und Glück treffen dabei auf externe Faktoren wie steigende Mieten und steigende Kaufpreise. Zusätzlich wirkt die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank wie ein Katalysator. Bei Kreditzinsen von unter einem Prozent erscheint vielen Menschen Kaufen attraktiver als Mieten“, erklärt Mohr. Auf die Frage, was in Anbetracht der aktuellen Marktlage für den Immobilienkauf spricht, nannten 81 Prozent die aktuell günstigen Zinsen. Obwohl Wohneigentum auch 2019 als elementarer Baustein der Vermögensbildung und Altersvorsorge und als eine Entscheidung für das gesamte Leben betrachtet wird, haben sich 23 Prozent der Menschen aus dem Bauch heraus für ihre Immobilie entschieden. 17 Prozent bezeichnen ihren Immobilienkauf als Glücksfall.

Zinsen, Kaufpreise, Mieten: Marktlage liefert Kaufgründe

Den im Zuge der Untersuchung durchgeführten Tiefeninterviews zufolge empfinden viele Menschen den Such- und Kaufprozess in der gegenwärtigen Marktlage in erster Linie als spannend, aber zum Teil auch als aufreibend. Immobilieninteressenten, die in den letzten zwei Jahren eine Immobilie zum Kauf oder zur Miete gesucht haben, empfanden dies als stressiger als Immobiliensuchende in früheren Jahren (53 Prozent im Vergleich zu 39 Prozent im Durchschnitt). „Mit Immobilieneigentum verbinden sich sehr große Hoffnungen, aber auch große Enttäuschungen. Es reicht von freudigem Glück bis Tränen“, so Mohr. Mieter auf Eigentumssuche erleben die Situation als unruhig bis fiebrig. Viele haben das Gefühl, jetzt unbedingt Eigentum schaffen zu wollen. Für den Kauf spricht nach Ansicht der Befragten aktuell neben den Zinsen besonders, dass die Nachfrage nach Immobilien hoch ist (87 Prozent) und die Kaufpreise in ihrer Gegend weiter steigen (84 Prozent). Sie wollen offenbar nicht zu noch höheren Preisen kaufen oder befürchten, nicht zum Zuge zu kommen. Auch sind viele nicht sicher, ob die Renten im Alter ausreichen und versprechen sich von der Immobilie Sicherheit im Alter (88 Prozent). Großstädter machen sich mehr Sorgen, dass die Mieten steigen könnten (82 Prozent) als Menschen in kleineren und mittleren Städten (73 Prozent). Auf dem Land ist diese Sorge nicht ganz so verbreitet (59 Prozent). Zu den Aspekten, die grundsätzlich für einen Kauf sprechen, zählen die meisten Menschen die Mietfreiheit, mehr Gestaltungsspielräume und Unabhängigkeit sowie die Absicherung fürs Alter.

Das Land bleibt ein Sehnsuchtsort

Zwei Drittel der Befragten wohnen aktuell in einer Stadt. Die Wunschlage ist allerdings häufiger ländlich und das Traumhaus der Deutschen bleibt unangefochten das freistehende Einfamilienhaus (63 Prozent). Allerdings bleibt das Land in vielen Fällen ein Sehnsuchtsort. Gesucht werden die Wohnungen eher in der Stadt. Dazu passt, dass die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel und die Fahrzeit zum Arbeitsplatz besonders häufig genannte Aspekte sind, sowohl bei den Wohnträumen als auch bei der aktuellen Zufriedenheit.

38 Prozent wollen kaufen, können aber nicht

Jeder zehnte Deutsche möchte laut der Wohntraumstudie bald eine Wohnung oder ein Haus kaufen. 9 Prozent der Mieter haben bereits Kaufversuche unternommen – sind jedoch bisher nicht fündig geworden. 38 Prozent möchten gern in eigenes Betongold investieren, verfügen jedoch nicht über die finanziellen Mittel. Vor allem Mieter zwischen 18 und 39 Jahren würden gern kaufen. Von den 18- bis 29-Jährigen haben nur 15 Prozent gesagt, dass sie lieber weiter mieten möchten. Wer gekauft hat, ist laut der Wohntraumstudie glücklich: 92 Prozent der Eigentümer sind zufrieden mit ihrer Entscheidung für den Immobilienkauf.

Eine pdf-Datei mit weiteren Informationen aus der Studie kann unter presse@interhyp.de angefordert werden.

Über die Interhyp Wohntraumstudie

Seit dem Jahr 2011 führt die Interhyp AG die Wohntraumstudie durch. Bei der Neuauflage 2019 hat Interhyp zusammen mit dem Rheingold Institut den Untersuchungsrahmen um eine genaue Betrachtung der Entscheidungsprozesse erweitert und das eingeführte zweistufige Studiendesign erfolgreich fortgeführt. Erster Schritt waren 20 qualitativ-psychologische Tiefeninterviews. Im zweiten Schritt wurden die wichtigsten Erkenntnisse der Interviews in quantitativen Fragebogen überführt und im April und Mai insgesamt mehr als 2.600 Menschen in einem bundesweiten und repräsentativen Online-Panel befragt. So konnten sämtliche Bedürfnisse und Wünsche der Befragten rund um das eigene Zuhause erfasst werden. Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick finden sich unter https://wohntraumstudie.interhyp.de/

 

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Fotograf: Interhyp
Categories: Immo-News | Comments 1033 Immobilienmarkt Deutschland

Erstes Halbjahr 2019: Immobilien im Wert von 20,5 Milliarden Euro verkauft / Mangel an Anlageobjekten lässt Umsatz um 24 Prozent sinken / Nur Wohnimmobilien legen gegen den Trend zu

Deutschland ist zum weltweit bedeutendsten Immobilienmarkt hinter den Vereinigten Staaten aufgestiegen und lockt Investoren aus aller Welt an. Zwei von drei Euro, die in der Bundesrepublik derzeit in Immobilien investiert werden, fließen inzwischen von institutionellen Investoren aus anderen Ländern in den hiesigen Markt. Die hohe Nachfrage lässt die Preise weiter steigen. Aber in fast allen Bereichen trifft der Ansturm auf Anlageobjekte auf ein zu knappes Angebot. Folge: Die Umsätze sinken. Das zeigt der aktuelle „Immobilienmarkt Deutschland Trendreport“ für das erste Halbjahr 2019 von Arcadis, der führenden globalen Planungs- und Beratungsgesellschaft für Immobilien, Umwelt, Infrastruktur und Wasser.

Die Umsätze im Immobilienmarkt in Deutschland sind im ersten Halbjahr 2019 mit 20,5 Milliarden Euro auf den geringsten Stand der vergangenen fünf Jahre gefallen und liegen rund 24 Prozent unter dem Ergebnis des vergleichbaren Vorjahreszeitraums. Gemessen am Rekordjahr 2017 ist das Transaktionsvolumen sogar um rund 40 Prozent zurückgegangen.

Gegen den Trend konnten nur die Umsätze mit Wohngebäuden und -grundstücken im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018 um acht Prozent auf 6,6 Milliarden Euro zulegen – zu wenig, um den Rückgang in anderen Bereichen aufzufangen. Der Durchschnittspreis für eine Wohneinheit, die 2018 noch 184.000 Euro kostete, liegt inzwischen bei 208.000 Euro.

Bedingt durch den Flächenmangel ging der Umsatz mit Büroimmobilien in Deutschland gemessen an den ersten sechs Monaten des Rekordjahres 2017 um mehr als die Hälfte zurück. Das Transaktionsvolumen lag im ersten Halbjahr 2019 bei rund 7,1 Milliarden Euro. Dabei wurden im Schnitt 4.350 Euro pro Quadratmeter bezahlt – 500 Euro mehr als im vergangenen Jahr und sogar 1.150 Euro mehr als im Jahr 2017.

Im Bereich Handel lag der Umsatz bei 3,2 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen ein Rückgang um fast 25 Prozent. Der mittlere Kaufpreis legte demgegenüber seit 2018 um 600 Euro auf 3.000 Euro pro Quadratmeter zu. „Die Kapitalisierungsrate, also das Verhältnis des erzielbaren Nettoeinkommens einer Immobilie zu ihrem Kaufpreis, liegt bei Handelsimmobilien im ersten Halbjahr 2019 wie im Vorjahr mit durchschnittlich 7,5 Prozent weiter auf einem hohen Niveau.“, sagt Falk Schollenberger, Senior Advisor / Lifecycle Management bei Arcadis. „Da der Einzelhandel aber mit weiterhin zunehmender Konkurrenz durch den Online-Versandhandel zu kämpfen hat, rechnen wir mit erheblichen Restrukturierungen und Anpassungsstrategien im Markt für Handelsimmobilien.“

Immobilien für Industrie und Logistik erreichten im ersten Halbjahr 2019 mit einem Umsatz von 2,5 Milliarden Euro fast das Vorjahresniveau. Hotelimmobilien sind mit einer durchschnittlichen Kapitalisierungsrate von 5,4 Prozent weiterhin renditeträchtige und beliebte Investitionsobjekte. Trotzdem fiel das Transaktionsvolumen mit nur 1,1 Milliarden Euro auf die Hälfte des Vergleichswertes des Vorjahres. Dies liegt allerdings nicht an einem Rückgang der Investitionslust in diesem Marktsegment, die – vor allem in Großstädten – weiterhin stark ausgeprägt ist. Sondern vielmehr an einem Mangel an geeigneten Objekten.

„Ein Ende des Immobilienbooms ist in Deutschland noch nicht in Sicht, die Investitionsfreude ist ungebrochen hoch“, sagt Marcus Herrmann, CEO von Arcadis Europe Central. „Das niedrige Angebot vor allem im Top-Lagen führt dabei dazu, dass sich Investoren zunehmend auch den sogenannten B- und C-Städten zuwenden.“ Als potenzielle Risiken für den Immobilienmarkt sieht Herrmann vor allem eine weiter steigende wirtschaftliche Volatilität, Verunsicherung durch Handelskonflikte sowie politische Spannungen.

 

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Categories: Immo-News | Comments 1029 Smart Home mit künstlicher Intelligenz

Nur jeder dritte Bundesbürger (35 Prozent) würde in ein Smart Home mit künstlicher Intelligenz ziehen. Das hat eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos unter 1.000 Personen im Auftrag des TÜV-Verbands (VdTÜV) ergeben. In einem KI-Smart-Home werden Lebensgewohnheiten wie zum Beispiel Heizen, Anwesenheit oder Lebensmittelkonsum mit Hilfe intelligenter Algorithmen analysiert. Das Smart Home optimiert dann den Energieverbrauch oder übernimmt automatisch den Einkauf. Eine deutliche Mehrheit von 57 Prozent kann sich das nicht vorstellen und 8 Prozent sind unentschlossen. „Die Menschen wollen, dass ihre Privatsphäre auch im Smart Home gewahrt bleibt“, sagt Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands, im Vorfeld der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin. Wichtigster Grund für die Zurückhaltung ist laut Umfrage die Angst, dass künstliche Intelligenz Entscheidungen trifft, die die Befragten nicht gut finden: Fast jeder zweite Skeptiker (48 Prozent) stimmt dieser Aussage zu. 47 Prozent haben Sorge vor einer unrechtmäßigen Verwendung ihrer persönlichen Daten und 44 Prozent, dass sie sich zu stark von digitaler Technik abhängig machen. Jeder dritte Befragte, der nicht in einem Smart Home mit künstlicher Intelligenz wohnen will, hat Angst vor Hacker-Angriffen (34 Prozent). Bühler: „Die Sorge vor Datenmissbrauch und Hacker-Angriffen stehen einer breiten Nutzung intelligenter Haustechnik noch im Wege. Damit die eigenen vier Wände zum Smart Home werden, brauchen wir klare gesetzliche Regeln für Datensicherheit und künstliche Intelligenz.“

Auf der diesjährigen IFA werden wieder zahlreiche Neuerungen rund um das Smart Home gezeigt. Dabei spielt künstliche Intelligenz eine immer größere Rolle. Sensoren können beispielsweise Parameter wie Luftfeuchtigkeit, Raumtemperatur, Vibrationen oder Schließzeiten von Fenstern und Türen messen. Kameras erfassen in der Wohnung nicht nur unerwünschte Eindringlinge, sondern haben im Kühlschrank den Verbrauch von Lebensmitteln im Blick oder erkennen herumliegende Hindernisse, an denen der Saugroboter vorbeifahren können. KI-Anwendungen werten die erhobenen Daten aus und passen ihre Aktionen entsprechend an. Dabei lernen sie aus dem Verhalten der Nutzer. „KI-Anwendungen im Smart Home können auch erkennen, wenn ein Bewohner stürzt oder sich bestimmte Vitalwerte von Risikopatienten verschlechtern, deren Zustand zu Hause überwacht wird“, sagte Bühler. „Künstliche Intelligenz im Smart Home kann das Leben nicht nur bequemer, sondern auch sicherer machen.“

Nach den Ergebnissen der Umfrage stehen 61 Prozent der Befragten einer Weiterentwicklung künstlicher Intelligenz im Smart Home grundsätzlich positiv gegenüber. 27 Prozent sehen das negativ und 12 Prozent machen zu dieser Frage keine Angabe. „Die Umfrage zeigt auch die Ambivalenz vieler Menschen bei der Nutzung der Technologie“, sagte Bühler. „Die Menschen wollen von den Vorteilen künstlicher Intelligenz profitieren, fürchten aber Eingriffe in ihre Privatsphäre und eine zu starke Abhängigkeit von der Technologie.“

Aus Sicht des TÜV-Verbands sollten Systeme und Anwendungen mit künstlicher Intelligenz daher in Abhängigkeit von ihrem Risikolevel durch unabhängige Stellen geprüft werden. So könnte die KI einer Gastherme oder eines Vitaldaten-Trackers für Risikopatienten anders eingestuft werden als die eines Saugroboters. „Der Schutz vor Hacker-Angriffen und der Schutz der Privatsphäre müssen während der gesamten Lebensdauer intelligenter Smart Home Produkte gewährleistet sein“, betonte Bühler. Dafür müssten Gesetze und technische Standards angepasst, Prüfkriterien entwickelt und der Zugang zu relevanten Daten gewährleistet werden. Nicht zuletzt muss die Entwicklung von Produkten und Anwendungen mit künstlicher Intelligenz auf der Grundlage ethischer Standards erfolgen, damit Menschen nicht durch die digitale Technik benachteiligt werden.

Seine politischen Forderungen zur Sicherheit künstlicher Intelligenz hat der TÜV-Verband in seinem Positionspapier „Vertrauen schaffen in KI-basierte Systeme“ zusammengefasst. Das Papier ist abrufbar unter: http://ots.de/RpPwK4

Methodik-Hinweis: Grundlage der Angaben ist eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos im Auftrag des TÜV-Verbands unter 1.000 Personen ab 16 Jahren. Die Frage lautete: „Nehmen Sie an, Sie hätten die Möglichkeit, aus Ihrer Wohnung kostenlos ein Smart Home mit künstlicher Intelligenz zu machen. Darin werden Ihre Lebensgewohnheiten z.B. Heizen, Anwesenheitszeiten oder der Konsum von Lebensmitteln von einer künstlichen Intelligenz analysiert. Das Smart Home optimiert dann Ihren Energieverbrauch oder übernimmt den Einkauf. Würden Sie in einem solchen Smart Home wohnen wollen?“ Anschlussfrage: „Warum würden sie eher nicht oder überhaupt nicht in ein solches Smart Home ziehen wollen?“

Über den TÜV-Verband: Der Verband der TÜV e.V. (VdTÜV) vertritt die politischen und fachlichen Interessen seiner Mitglieder gegenüber Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Der Verband setzt sich für technische Sicherheit bei Produkten, Anlagen und Dienstleistungen durch unabhängige Prüfungen und qualifizierte Weiterbildung ein. Mit seinen Mitgliedern verfolgt der TÜV-Verband das Ziel, das hohe Niveau der technischen Sicherheit in unserer Gesellschaft zu wahren und Vertrauen für die digitale Welt zu schaffen.

 

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Categories: Wissen-Spezial | Comments 1025 Der größte Brocken – Das Immobilienerbe

Dass Deutschland ein Land der Erben ist, hat sich längst herumgesprochen. Vermögenswerte von ungeheuren Ausmaßen gehen in den kommenden Jahren von einer Generation auf die andere über. Den finanziell gesehen größten Brocken solcher Erbschaften stellen häufig Häuser oder Wohnungen dar, denn unter einer sechsstelligen Summe ist in weiten Teilen der Bundesrepublik kaum eine Immobilie mehr zu haben. Der Infodienst Recht und Steuern der LBS hat für seine Extra-Ausgabe Urteile zu diesem Thema gesammelt.

Ein Haus (eine Wohnung) kann an den Ehegatten alleine oder gemeinsam mit den Kindern völlig steuerfrei vererbt werden, wenn die Erben darin bereits wohnen oder unverzüglich dort einziehen. Allerdings gibt es Grenzen dieser erbenfreundlichen sogenannten Familienheim-Lösung. Das Finanzgericht Düsseldorf (Aktenzeichen 4 K 1063/17) entschied im Falle von zwei gleichzeitig vererbten, aneinandergrenzenden Grundstücken, die im Grundbuch auf verschiedenen Blättern eingetragen waren, unterschiedlich. Das Grundstück mit Haus konnte steuerbefreit vererbt werden, das danebengelegene Gartengrundstück fiel nicht unter diese Regelung. Es handelte sich ja nicht um ein Familienheim.

Eine Erbschaft wird manchmal dadurch geschmälert, dass die Erben erheblichen Aufwand betreiben müssen, um die Immobilie auch tatsächlich verwerten zu können. So war es in einem Fall, in dem für mehr als 10.000 Euro ein größerer Ölschaden beseitigt werden musste. Der Erbe wollte ein Drittel dieses Betrages als Nachlassverbindlichkeiten steuerlich geltend machen. Das Finanzgericht Münster (Aktenzeichen 3 K 900/13) stellte fest, dass nur zum Zeitpunkt des Erbfalls bereits in der Person des Erblassers begründete Verpflichtungen abzugsfähig seien. Davon könne hier nicht die Rede sein.

Bevor jemand ein Erbe ausschlägt, was grundsätzlich das Recht eines jeden Betroffenen ist, sollte er sich gründlich überlegen, ob er das wirklich will. Zwei Frauen hatten angesichts des vernachlässigten Zustandes einer Mietwohnung, in der ihre verstorbene Schwester gewohnt hatte, auf das Erbe verzichtet. Bei genauerer Betrachtung stellte sich heraus, dass insgesamt doch etwa 6.000 Euro übriggeblieben wären. Die Erbinnen wollten ihre Ausschlagung zurücknehmen, was das Oberlandesgericht Düsseldorf (Aktenzeichen 3 Wx 140/18) ablehnte. Ein vorschneller Verzicht ohne gesicherte Informationen über die Vermögenslage mache eine spätere Zurücknahme unmöglich.

Manchmal schreibt das Leben sehr befremdliche Geschichten. Ein Mann tötete seinen Bruder und wurde deswegen zu knapp zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Gleichzeitig besaß er ein dingliches Wohnrecht im Haus dieses Bruders. Die Ehefrau des Getöteten, die noch dort wohnte, verlangte eine Löschung dieses Rechts. Der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen V ZR 208/15) entschied, dass ein Ausüben des Wohnrechts durch den Bruder eine unzumutbare Belastung für die Witwe darstellen würde. Allerdings müsse man das Recht nicht löschen, sondern man könne den Betroffenen verpflichten, das Recht an einen Dritten abzutreten.

Der Ehepartner oder Lebenspartner kann in den Mietvertrag eines Verstorbenen eintreten, mit dem er einen gemeinsam Haushalt geführt hat. Ein solcher gemeinsamer Haushalt liegt nach Meinung des Amtsgerichts Hamburg-St. Georg (Aktenzeichen 922 C 245/13) aber nur dann vor, wenn es sich bei der Wohnung tatsächlich um den Lebensmittelpunkt handelte. Wenn ein Paar seit über 30 Jahren in Mexiko lebte und die Wohnung in Deutschland nur wenige Wochen im Jahr nutzte, entfällt das Eintrittsrecht.

Immer wieder kommt es nach Todesfällen vor, dass in absehbarer Zeit kein Erbe der oder des Verstorbenen gefunden werden kann. Das ist für den Vermieter des Toten insbesondere dann eine schwierige Situation, wenn er schnell wieder in den Besitz seiner Wohnung kommen will. Das Kammergericht Berlin (Aktenzeichen 19 W 102/17) stellte fest, dass das Nachlassgericht auf Antrag des Vermieters eine Nachlasspflegschaft anordnen muss, um eventuelle Ansprüche geltend machen zu können. Das gilt auch dann, wenn vermutlich kein oder wenig Vermögen vorhanden ist.

Wenn ein einzelner Miterbe nach Eintritt des Erbfalles eine Immobilie ganz oder teilweise für sich selbst zu Wohnzwecken nutzt, dann können daraus Ansprüche seiner Miterben entstehen. Gegenüber dem Oberlandesgericht Rostock (Aktenzeichen 3 U 67/17) setzten diese Miterben durch, dass der Nutzer eine Entschädigung bezahlen müsse. Dazu bedarf es allerdings einer Mehrheitsentscheidung der Erbengemeinschaft

Nicht nur Privatpersonen erben, sondern immer wieder kommt auch der Staat zum Zuge. Doch Erbschaften sind nicht nur erfreulich – zum Beispiel dann, wenn am Ende weniger übrig bleibt als erwartet. Der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen V ZR 309/17) entschied in dem Zusammenhang, dass die öffentliche Hand als Alleinerbe eines Wohnungseigentümers nur bis zu einer gewissen Grenze zur Kasse gebeten werden kann. Wenn gegenüber einer Eigentümergemeinschaft Wohngeldschulden bestehen, dann haftet der Staat dafür lediglich mit dem vorhandenen Nachlass.

 

Original-Content von: Bundesgeschäftsstelle Landesbausparkassen (LBS), übermittelt durch presseportal.de
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