470 Wohnen und Steuern – Grunderwerbsteuer und Grundsteuer immer höher

Wohnen soll in Deutschland bezahlbar bleiben, das versprechen die Parteien im Bundestagswahlkampf. Doch tatsächlich sind es hohe Steuern und Abgaben, die das Wohnen immer teurer machen. Daher Ist für viele Mieter und Selbstnutzer der Staat der wahre Kostentreiber! Vor allem bei der Grundsteuer und der Grunderwerbsteuer hat die Politik die Belastungsschraube stark angezogen.

Grunderwerbsteuer

27 Steuererhöhungen: Der Steuersatz bei der Grunderwerbsteuer kennt seit zehn Jahren nur eine Richtung – nach oben. Seit dem Jahr 2006 können die Bundesländer den Steuersatz selbst festlegen. Seitdem ist die Grunderwerbsteuer insge­samt 27 Mal erhöht worden. Steuersenkungen: Fehlanzeige! In Brandenburg, Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und dem Saarland ist der Steuersatz mit 6,5 Prozent am höchsten. Nur in Bayern und Sachsen liegt der Steuersatz noch unverändert bei 3,5 Prozent.

Gefüllte Kassen

Die Einnahmen aus der Grunderwerbssteuer haben sich zwischen 2006 und 2016 von 6,1 Milliarden € auf 12,4 Milliarden € erhöht. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Strafsteuer für Familien

Familien erwerben besonders häufig ein Eigenhelm: Mehr als die Hälfte der Wohneigentumser­werber sind Paare mit Kindern, obwohl ihr Anteil an der Gesamtbebevölkerung nur ein Fünftel beträgt. Die Grunderwebsteuer trifft daher  vor allem junge Familien, die ihren Traum von den eigenen vier Wänden verwirklichen wollen.

Hohe Hürde für Wohneigentum

Der massive Anstieg der Grunderwerbsteuerbe­lastung hemmt zunehmend die Bildung von Wohneigentum. Inzwischen macht die Grunderwerbsteuer regelmäßig den mit Abstand größten Teil der Erwerbsnebenkosten aus. Auch dadurch stagniert die Wohneigentumsquote In Deutschland auf einem international niedrigen Niveau von 45 Prozent. Denn im OECD-Durchschnitt liegt die Wohneigentumsquote bei 65 Prozent.
Quelle: OECD

Die Grundsteuer

Volkssteuer Nr. 1: Die Grundsteuer ist eine Volkssteuer, denn sie trifft jeden – so­wohl Mieter als auch Selbstnnutzer. Vielen Mietern ist das gar nicht bewusst. Doch ein Blick auf die Nebenkostenabrechnung zeigt, dass die Grundsteuer umgelegt und daher über die monatliche Miete mitbezahlt wird. Zu unterscheiden ist zwschen der Grundsteuer A, die fand- und forstwirtschaftliche Betriebe zahlen, und der Grundsteuer B, die alle übrigen Grundstücke belastet.

Hebesätze steigen und steigen

Über 60 Prozent aller Gemeinden haben den Hebesatz der Grundsteuer B in den letzten fünf Jahren mindestens einmal erhöht, Hebesatzsenkungen gab es hingegen nur in jeder hundertsten Gemeinde. Auch insgesamt ist die Belastung für Mieter und Selbstnutzer deutlich gestiegen. So sind die gewogenen Durchschnittshebesätze bei der Grundsteuer B von 410 Prozent (2010) auf 455 Prozent (2015) hochgeschnellt. Das zeigt: Die Belastung steigt auf breiter Front an.

Mehreinnahmen für Städte und Gemeinden

Starke Zuwächse gibt es auch beim Aufkommen: Die Grundsteuer ist eine stabile Einnahmequelle, die den Kommunen auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten die Kassen füllt. Sie ist damit eine feste Haushaltsgröße, was sie beiden Kämmerern sehr beliebt macht. Freuen dürften sich die kommunalen Kassenwarteauch über die Aufkommensentwicklung der letzten Jahre. So ist das Aufkommen der Grundsteuer B von 11 Milliarden € (2010) auf 13,3 Milliarden € (2016) gestiegen, was einem Zuwachs um mehr als ein Fünftel entspricht. Was für die Gemeinden ein dickes Steuerplus ist, macht jedoch für die Bürger das Wohnen noch teurer!

Reformen stocken

Weitere Mehrbelastungen drohen: Die Bundesländer wollen die Grundsteuer aufkommensneutral reformieren – die Belastung  soll also im Schnitt nicht ansteigen. Ob es dazu kommt, ist aber ungewiss. So haben Berechnungen der Hambur­ger Senatsverwaltung ergeben, dass durch die Reform die Grundsteuerwerte durchschnittlich um den Faktor 10 ansteigen könnten – in einigen Wohngebieten sogar um den Faktor 40. Ob an anderer Stelle, etwa beim Hebesatz, entsprechend entlastet wird, ist fraglich. Für viele Mieter und Selbstnutzer drohen also weitere Mehrbelastungen!

Fazit:

In den letzten Jahren ist die Belastung bei der Grundsteuer und der Grunderwerbsteuer stark gestiegen. Hier muss die Politik ansetzen und gegensteuern. Damit das Wohnen in Deutschland wirklich bezahlbar bleibt, müssen Mieter und Selbstnutzer spürbar entlastet werden.

Quelle: Bund der Steuerzahler
Bild: Shutterstock

Categories: Immo-News | Comments 812 In nur einem Jahr: Baugrundstücke für Leipziger Eigenheime um 20 Prozent verteuert

Der schwunghafte Handel am Leipziger Immobilienmarkt treibt inzwischen auch die Preise für Häuslebauer immer stärker in die Höhe. Baugrundstücke für Eigenheime haben sich im vergangenen Jahr um 20 Prozent verteuert, im Jahr davor waren es schon acht Prozent.

Im Schnitt kostet der Quadratmeter jetzt 161 Euro – im Jahr 2011 waren es erst 100 Euro. So steht es im neuen Grundstücksmarktbericht des Leipziger Gutachterausschusses, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Für ein durchschnittliches Eigenheim-Areal von 656 Quadratmetern waren 2016 in Leipzig bereits 97 000 Euro zu berappen, erläutert Matthias Kredt. Er leitet den Gutacherausschuss, dem die Notare eine Kopie jedes neu geschlossenen Kaufvertrags zusenden. Folglich seien die Daten in dem Bericht, der nun für 60 Euro erhältlich ist, ein exaktes Abbild der Entwicklung. Im Vergleich zu westdeutschen Städten seien die Eigenheim-Grundstücke in Leipzig noch immer ungewöhnlich groß und preiswert, so der Fachmann. 2016 hätten 247 Bauflächen für Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser Käufer gefunden – deutlich weniger als im Vorjahr mit 333. „Die Nachfrage ist sicher weiterhin hoch, aber das Angebot wird geringer“, erläutert Kredt. „Sonst könnten viel mehr Flächen verkauft werden.“

Verknappung durch Spekulation

Laut Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) müssten eigentlich genug Areale für Eigenheime zur Verfügung stehen. Bei Wertzuwächsen von 20 Prozent pro Jahr würden manche Grundstücksbesitzer jedoch darauf spekulieren, dass die Preise noch weiter klettern. „Wir erleben eine künstliche Verknappung.“

Auch in anderen Segmenten gab es 2016 einen Rückgang bei der Zahl der Verkaufsfälle. Durch stetig steigende Preise wurde beim Gesamtumsatz des Leipziger Immobilienmarktes aber wieder ein neuer Rekord erzielt. Mit 2,9 Milliarden Euro betrug der Zuwachs gegenüber 2015 (2,8 Milliarden Euro) aber nur noch drei Prozent. 2014 lag die Summe für die Messestadt bei 1,8 Milliarden Euro.

Preise für Geschossbau-Grundstücke steigen stark

Auffallend sei 2016 gewesen, dass die Preise für Geschossbau-Grundstücke extrem nach oben gingen, so Kredt. In einzelnen Lagen habe sich deshalb binnen zwölf Monaten der Bodenrichtwert verdoppelt. „Die Zahl der Kauffälle sank aber auch hier: Um acht Prozent, was ebenfalls auf ein knapperes Angebot hindeutet.“ Trotz der Nähe zur Red-Bull-Arena sei beispielsweise der Bodenrichtwert im Waldstraßenviertel im letzten Jahr von 450 Euro auf 700 Euro pro Quadratmeter gestiegen. In allen Lagen neben dem City-Ring gehe es „inzwischen straff auf 1000 Euro“ zu. Da kaum noch unsanierte Mehrfamilienhäuser zum Verkauf angeboten werden, hätten sich die Preise für solche Objekte in den letzten drei Jahren stadtweit mehr als verdoppelt. „Bei sanierten Mehrfamilienhäusern betrug der Anstieg zeitgleich rund 50 Prozent.“

Bei den frisch sanierten Eigentumswohnungen stiegen 2016 die Preise im Erstverkauf um 8 Prozent auf 3335 Euro pro Quadratmeter (ohne Stellplatzanteil). Nach wie vor stammen hier 94 Prozent der Erwerber nicht aus Leipzig, sondern sind Anleger, die Steuern sparen wollen. Beim Wiederverkauf solcher Eigentumswohnungen kamen in 37 Prozent der Fälle Einheimische zum Zuge. Wie berichtet, sind „gebrauchte Wohnungen“ in der Messestadt nach wie vor recht günstig zu erstehen. Im vergangenen Jahr legten die Preise um fünf Prozent auf durchschnittlich 1278 Euro pro Quadratmeter zu. Ähnliches gelte übrigens auch für Eigenheime, wo letztes Jahr 571 gebrauchte Objekte den Besitzer wechselten, so Kredt weiter. Sie kosteten normal saniert im Schnitt etwa 250 000 Euro, während für ein neues Haus knapp 400 000 Euro erzielt wurden.

Quelle: lvz.de

Categories: Immo-News | Comments 811 Die Wahrheit über „Kaufen ist besser als mieten“

Wer eine Wohnung kauft, steht selbst in den Großstädten auf Dauer finanziell besser da als ein Mieter. Das besagt eine aktuelle Studie. Eine wichtige Zusatzbelastung wird dabei jedoch ausgeblendet.

Mieten oder Kaufen? Mit dieser Frage schlagen sich viele Bürger seit Jahren herum. Zuletzt erschien die Antwort recht einfach – zumindest in Ballungsgebieten: Angesichts der kräftigen Steigerung der Preise für Häuser und Eigentumswohnungen ging die Rechnung trotz niedriger Kreditzinsen für viele nicht mehr auf. Die monatliche Belastung für Zins und Tilgung übersteigen jedes normale Budget. Sie beantworteten die Frage deshalb für sich zunehmend mit Mieten.

Gegen diese weit verbreitete Sicht macht die Immobilienwirtschaft regelmäßig Stimmung, in diesem Fall der Wohnungsprivatisierer Accentro. Das Unternehmen, das vor allem in Berlin Käufer für Wohnungen sucht, beauftragte die Immobilienexperten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln mit einer Studie. Das Ergebnis widerspricht auf den ersten Blick tatsächlich der gängigen Meinung, dass Eigentum heutzutage in vielen Fällen bereits zu teuer geworden sei. „Bei einer gesamtdeutschen Betrachtung ist der Erwerb von Wohneigentum durchschnittlich rund 41 Prozent günstiger als Mieten“, sagte Studienautor Michael Voigtländer bei der Präsentation der Ergebnisse.

In Hamburg und Berlin seien es mehr als 45 Prozent, in Stuttgart 35 Prozent, sogar im teuren München noch 34 Prozent. Selbst bei konservativer Betrachtung, wenn künftige Preissteigerungen bei Immobilien und Mieten nicht berücksichtigt werden, ist Kaufen laut Studie besser als Mieten: Der Vorteil liegt dann in den Großstädten zwischen 36 Prozent in Köln und sechs Prozent in München – immer unterstellt, dass der Käufer die Wohnung selbst nutzt.

Monatliche Tilgung nicht berücksichtigt

Insgesamt wurden die Mieten und Kaufkosten für 402 Kreise ausgewertet. Die Experten verglichen die durchschnittlichen Mietkosten pro Quadratmeter in den einzelnen Kreisen mit den durchschnittlichen Eigentümerkosten pro Quadratmeter. Darin enthalten ist der Zins, die Grunderwerbsteuer, Kosten für Instandsetzung, Abschreibungen und, je nach Rechnung, erwartete Wertveränderungen.

Ein wichtiger Punkt des gewählten Ansatzes ist: Die monatliche Tilgung wird nicht berücksichtigt. Voigtländer begründet das damit, dass der Käufer schließlich Eigentum bildet und damit etwas für seine Altersvorsorge macht. „Ansonsten hätten wir beim Mieter auch unterstellen müssen, dass er neben seiner monatlichen Miete zusätzlich etwas in seine Altersvorsorge investiert“, sagte der IW-Immobilienfachmann. Accentro-Vorstandschef Jacopo Mingazzini ergänzte: „In den meisten Kreisen können die Haushalte Wohneigentum kaufen und vollständig entschulden, ohne dass sie stärker belastet werden würden als Mieter.“

Theoretisch mag dieser Gedanke richtig sein, doch mit der Realität hat er wenig zu tun. Denn wegen der deutlich gestiegenen Kaufpreise haben sich auch die Tilgungsraten deutlich erhöht. De facto gibt es eben nicht nur den Zins, sondern auch eine Tilgung. Wer die Immobilie bis zum Rentenalter schuldenfrei haben will, muss entsprechend hohe Beträge zahlen, um den Kredit abzustottern. Die Einkommen der meisten Menschen haben sich allerdings nicht in dem Maße erhöht, sprich, viele überfordert deshalb die monatliche finanzielle Belastung aus Zins plus Tilgung. Zumal die Banken mindestens 20 Prozent Eigenkapital fordern. Auch da macht es einen Unterschied, ob die Wohnung 400.000 Euro oder 600.000 Euro kostet. Hinzu kommen außerdem die hohen Kaufnebenkosten von mehreren zehntausend Euro.

Eine vereinfachte Rechnung macht das deutlich: Angenommen, eine Wohnung kostet 400.000 Euro, der Kreditzins liegt bei zwei Prozent, die anfängliche Tilgung beträgt drei Prozent. Im Vergleich zu einer Wohnung, die jedes Jahr 12.000 Euro Miete kostet und in der der Mieter sein Geld mit einer Zwei-Prozent-Verzinsung anlegt, steht der Käufer rein rechnerisch zwar nach neun Jahren besser da als der Mieter. Doch er muss auch über viele Jahre hinweg eine De-facto-Mehrbelastung von rund 9000 Euro im Jahr für den Schuldendienst aufbringen.

Aus noch einem Grund ist der alte Leitspruch „Was Sie für Miete ausgeben, können Sie auch der Bank geben“ in vielen Fällen nicht mehr gültig. Denn die Preise für Wohnungen und Häuser und damit auch die Kosten für Käufer steigen weitaus schneller als die Mieten – selbst in bei Mietern gefragten Großstädten. Das Marktforschungsunternehmen F+B ermittelt jedes Quartal durchschnittliche Miet- und Kaufpreise und beobachtet schon seit Jahren, wie Kauf- und Mietpreise auseinander driften.

So war es auch im dritten Quartal dieses Jahres. Mieten in bestehenden Wohnungen seien im Vergleich zum Vorquartal nur um 0,3 Prozent gestiegen – ein Wert, der sogar noch unterhalb der allgemeinen Inflation lag. Für neu gebaute Wohnungen stiegen die Mieten um 0,6 Prozent. Ganz anders jedoch die Entwicklung bei Kauf-Immobilien: Eigentumswohnungen haben sich F+B zufolge von Juli bis September 2016 um 2,2 Prozent verteuert, Einfamilienhäuser um 1,8 Prozent.

Noch deutlicher wird der Preisgalopp beim Vergleich zum Vorjahresquartal. Binnen Jahresfrist verteuerten sich Eigentumswohnungen um 7,1 Prozent. Innerhalb der letzten fünf Jahre lag der Preisanstieg sogar bei 31,1 Prozent. Neuvertragsmieten hätten sich dagegen um nur rund zehn Prozent verteuert.

Das bedeutet: Die Kosten für Käufer steigen immer weiter und auch schneller als die Kosten für Mieter. Das liegt auch daran, dass Käufer nicht nur in Konkurrenz zu anderen Käufern stehen, die eine Wohnung selbst nutzen kaufen möchten – sondern auch mit Kapitalanlegern konkurrieren, die angesichts der niedrigen Zinsen ihr Geld auf dem Wohnungsmarkt anlegen oder einfach nur parken wollen. Mieter dagegen konkurrieren „nur“ mit anderen Mietern und können über kurz oder lang auch nicht mehr bezahlen als ihre eigene Kaufkraft hergibt.

Weiterer Unsicherheitsfaktor ist die künftige Zinsentwicklung. Zwar lässt sich die Wohnung oder das Haus heute problemlos zu einem Zinssatz von 1,8 Prozent finanzieren. Doch zu welchem Zinssatz gelingt in zehn Jahren die Anschlussfinanzierung? Das ist die bange Frage, die sich viele Immobilienbesitzer stellen. Auch dies haben sich die Autoren der IW-Studie angeschaut – und auch hier geben sie Entwarnung. „In vielen Kreisen kann der Zins deutlich gegenüber dem heutigen Zins steigen, ohne dass sich eine Mehrbelastung für den Käufer ergibt“, sagt Voigtländer. In 325 Kreisen liege der sogenannte finanzierungsneutrale Zins bei mehr als vier Prozent, in 280 Kreisen sogar bei mehr als fünf Prozent.

In den meisten großen Städten liegt er immerhin mindestens bei drei Prozent. Nur Hamburg mit 2,6 Prozent und vor allem München mit 0,8 Prozent liegen darunter. Die bayerische Landeshauptstadt und einige Kreise in der Umgebung sind laut Studie denn auch die einzigen Gegenden in Deutschland, wo Kaufen schon bei kleineren Zinserhöhungen hinter Mieten zurückfällt.

Studien-Auftraggeber Mingazzini zeigte sich ob der Ergebnisse erwartungsgemäß zufrieden. Er sprach von einer historischen Chance, die Deutschland gerade verspiele: nämlich die Menschen in Wohneigentum zu bringen. Statt die Vorteile des Eigentums gerade mit Blick auf die Altersvorsorge in den Mittelpunkt zu stellen, werde auch von der Politik wegen der steigenden Immobilienpreise eine Panikstimmung erzeugt, die so nicht gerechtfertigt sei. Die Kaufzurückhaltung vieler Menschen ist aus seiner Sicht psychologisch zu begründen, nicht faktisch.

Quelle: welt.de
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Categories: Immo-News | Comments 457 Immobilien-Studie: In Mitteldeutschland gibt es noch gute Anlagemöglichkeiten

Untersuchung von Engel & Völkers sieht Leipzig mit hoher Anziehungskraft für Investoren

LEIPZIG/DRESDEN. Die mitteldeutschen Großstädte verfügen über enormes Potenzial bei Anlageimmobilien. Das ist das Fazit des jüngsten Marktreports des Hamburger Immobilienunternehmens Engel & Völkers (EuV). „Die Anziehungs­kraft der Metropolen nimmt deutlich zu“, schätzt Ralf Oberänder, EuV-Chef in Leipzig, ein. Der starke Nachwende-Trend, wonach es zahlreiche Einwohner aufs Land zog, sei eindeutig vorbei. „Die Stadtflucht ist derzeit Geschichte“, hat Oberänder beobachtet, dessen Unterneh­men sich auf die Vermittlung von Immobi­lien an gut verdienende Privatpersonen bis hin zu mittelständischen Immobilien­firmen spezialisiert hat. Im Fokus stünden dabei Gebäude mit vier und mehr Woh­nungen bis hin zu größeren Anlagen mit 100 bis 200 Wohneinheiten mit Ladenpas­sagen. „Die Menschen streben zuneh­mend wieder in die Metropolen“, stellt auch der Präsident des Immobilienver­bandes ND, Jürgen Schick, fest.

Leipzig hat nach Oberänders Meinung nach wie vor die größte Anziehungskraft für Investoren im der Region zwischen Dresden, Chemnitz und Halle. Leipzig sei der Magnet und verfüge über eine enor­me Strahlkraft. „Allerdings nimmt Dres­den als Landeshauptstadt eine Sonder­stellung ein“, fügt der 39-Jährige hinzu. Die Messestadt rangiere zwar in Mittel­deutschland hinsichtlich der Popularität auf dem 1. Platz, aber Dresden „ist preis­technisch nicht so schnell zu überholen“.

Mieten und Preise kletterten nach einer Untersuchung des Analyseunter­nehmens Empirica vielerorts immer höher. „Ein Ende der Mietpreisanstiegs ist nicht absehbar , urteilt Empirica-Ge­schäftsführer Reiner Braun. Das schafft den Experten zufolge natürlich Anreize für Investoren, für die es auf die Rendite-Chancen bei den Wohnanlagen ankommt. Zumal sie aufgrund der Nied­rigzinsen ihr Geld lieber in „Betongold“ anlegen. Dass dabei auch die mitteldeut­sche Region im Blickpunkt steht, ist für die Deutsche Hypothekenbank verständ­lich. Ihrer Studie zufolge sind die Rendite-Perspektiven in sogenannten B-Städten „weiterhin positiver“ als in A-Städten, wo sich der Angebotsengpass immer stärker ausweite. „Viele Investoren richten des­halb ihr Augenmerk heu­te sehr viel stärker auf 13-Städte als noch vor einigen .fahren“, betont Andreas Pohl, Vorstands­vorsitzender der Deut­schen Hypo. „Ich gehe davon aus, dass sich der Trend fortsetzt.“

Zu B-Metropolen zählen demnach etwa Leipzig, Dresden, Hannover, Karlsruhe und Nürnberg. Oberänder ist sich eben­falls sicher, dass der Markt in Mittel­deutschland „mietmäßig zulegen wird“.

Den „Ausstrahleffekt von Leipzig“ spürt auch das 40 Kilometer entfernte Halle recht deutlich, berichtet Beate Lüth­je, EuV-Managerin in Halle. „Leipzig ist für Investoren quasi ausverkauft“, meint sie. Dem widerspricht Oberänder vehe­ment. Die Stadt „stellt alles im Osten in den Schatten“, ist er überzeugt. „Das Potenzial für Investoren ist ungebro­chen.“ So habe allein EuV im vorigen Jahr in Leipzig 100 Häuser vermittelt. „In diesem Jahr haben wir die 100 bereits jetzt überschritten „, berichtet der gebürtige Weimarer. Insgesamt – bezogen auf alle Immobilienunternehmen – seien 2015 in Leipzig 779 Wohngebäude verkauft worden (2011 waren es 661) mit einem Transaktionsvolumen von fast 790 Millio­nen Euro (2011: 250 Millionen Euro). Für dieses Jahr prognostiziert der Report 780 Verkäufe für alles in allem 670 Millionen Euro. „Der Markt ist also nach wie vor höchst attraktiv“, schlussfolgert Oberän­der. Damit setze sich eine mehrjährige Entwicklung ungebremst fort, So rangier­te Leipzig laut EuV im Jahr 2014 nach Berlin bei der Anzahl der verkauften Wohn- und Geschäfts­häuser mit 806 bundes­weit auf dem zweiten Rang hinter Berlin (1126 Verkäufe), Zulegen konnten in den vergan­genen Jahren auch Hal­le und Chemnitz. In der Saale-Stadt stiegen die Verkaufszahlen von 163 im Jahr 2011 auf geschätzte 190 in die­sem Jahr. Das Transak­tionsvolumen erhöhte sich von 54 Millionen auf 92 Millionen Euro. Ähnlich die Entwicklung in Chem­nitz. 190 Verkäufe für insgesamt 75 Mil­lionen Euro sind in diesem Jahr vorherge­sagt. Dem standen 91 Vermittlungen mit 46 Millionen Euro vor fünf Jahren gegen­über.

Während viele Anleger nach der Wen­de vor allem aus Steuerspargründen ihr Geld in Immobilien in den neuen Ländern gesteckt hätten, „ist nunmehr ihr Ziel vor allem die zu erwartende Rendite „, weiß Oberänder. Die Investoren würden dabei – im bundesweiten Vergleich – Immobi­lien zu recht günstigen Preisen erwerben können. „Nach einer vernünftigen Sanie­rung sind dann natürlich höhere Mieten zu erzielen und der Gewinn ist garan­tiert‘, beschreibt der studierte Betriebs­wirt die Lage. Zwei Trends stelle er der­zeit fest. „So manche Gebäude, die nach der Wende schick gemacht wurden, haben inzwischen etwas Patina ange­setzt. Hier greift derzeit die zweite Sanie- . rungswelle.“ Darüber hinaus gebe es in den mitteldeutschen Metropolen noch genügend unsanierte Häuser. „Auch hier lohne sich der Einstieg für Investoren.“

In Sachsen und Sachsen-Anhalt ist laut I Oberänder das Iinmobilien-Preis-Leis­tungsverhältnis gut. Der Markt sei nicht so hart wie etwa in München oder Berlin.  „In Mitteldeutschland gibt es noch gute ,` Anlagemöglichkeiten“, verspricht der seit 2012 in Leipzig wohnende Immobi­lienexperte Die Potenziale in Leipzig, Chemnitz und Halle „sind sehr gur . Zugleich legten die Eigentümer Wert auf 1 die möglichst komplette Vermietung der 7 Wohnungen. „Die Angst vor Leerstand und damit Einnahmeverlust ist größer als das Streben nach einem Maximum an Miete pro Quadratmeter.“

Entsprechend „günstig kommen Woh­nungssuchende an passende Objekte. Zwischen 4,80 und 6,80 Euro pro Quad­ratmeter in mittlerer Lage liegen die Mie­ten in Leipzig derzeit. In Chemnitz pen­deln die Kosten zwischen 4,20 und 5,20, in Halle zwischen 4,40 und 6,20 Euro. In — sehr guten Lagen müssen die Mieter laut EuV-Marktbericht allerdings deutlich tie­fer in die Tasche greifen. Hier sind für den Quadratmeter bis zu elf Euro in Leipzig zu berappen, in Halle bis zu 9,70 Euro, in Chemnitz bis zu acht Euro. „An diesen Zahlen zeigt sich, wie stark Leipzig auf Halle ausstrahlt“, erklärt Oberänder.

Quelle: Ulrich Langer, Leipziger Volkszeitung
Bild: pixabay

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